4 Gründe, warum „La Cosa Nostra“ kein Kartenspiel über Gangster-Intrigen ist

Das Kartenspiel La Cosa Nostra will ein Spiel über intrigierende Mafiabosse sein, die versuchen sich in schmierigen Deals gegenseitig abzuziehen — doch leider scheitert es dabei. Großartige Illustrationen betten die Spieler zwar ins passende Setting, doch die Ausgestaltung der Spielmechaniken führt nicht zum gewünschten Spielgefühl.

La Cosa Nostra wird gerade über die deutsche Crowdfunding-Plattform Startnext finanziert und ist bereits weit über das ursprüngliche Finanzierungsziel hinausgeschossen. Wir hatten bereits jetzt die Möglichkeit einen Prototypen zu testen.

lacosanostra_artwork_2Darum geht’s

Der Spieler übernimmt im Spiel die Kontrolle über einen Mafia-Boss und seine Handlanger. Jeder der eigenen Handlanger führt pro Runde eine (zumeist) verdeckte Aktion aus. Nach vier Durchgängen endet das Spiel. Gewinner ist derjenige, der am Ende das meiste Geld gescheffelt hat.La Cosa Nostra (1)

Die Spiel-Mechanik dahinter

Jede Runde erhalten die Spiele Karten mit Aufträgen, die Sie ihren Gangstern verdeckt zuteilen können. Alternativ können aus der Mitte offen Unternehmen und Geschäftsmänner gekauft werden.

Danach werden die einzelnen Aufträge der Reihe nach aufgedeckt und ausgeführt. Doch viele Aufträge besitzen als Bedingung den Besitz eines bestimmten Unternehmens oder Geschäftsmannes. Dann bist du auf deine Mitspieler angewiesen, die dir die benötigten Karten ausleihen können. Deshalb musst du vor dem Aufdecken deiner Aufträge entsprechende Deals aushandeln.

So entsteht eine Spannung zwischen dem Zwang, dass du deine eigenen Aufträge nur durch die Hilfe deiner Mitspieler erfüllen kannst. Die haben natürlich dasselbe Problem — jeder will aber, dass die anderen dabei am Wenigsten profitieren. La Cosa Nostra wird damit zur Inkarnation des Dealbreaker-Spiels.

Es geht darum, zu verhandeln, Versprechen zu brechen und andere durch bewusstes Lügen hinters Licht zu führen. Ich gebe vor etwas Bestimmtes tun zu wollen, einige mich mit einem Gegner darauf, dass wir unsere Unternehmen und Geschäftsmänner tauschen, nur um dann – bevor mein Gegner zum Zug kommt – mein eigenes Unternehmen zu blockieren und ihm den Auftrag zu vermasseln, während ich mit seinen Ressourcen den eigenen erfülle.

Doch wo ist das Problem?

In der Theorie hört sich das Spiel großartig an. Es ist die perfekte Mischung eines Kartenspiels: Kurzweilig, interaktiv und eine Möglichkeit mit wahren Freunden eine Blutfehde zu beginnen.

Leider kann La Cosa Nostra seine elementare Spielmechanik nicht in die Praxis umsetzen. Das Spiel zwingt Spieler nicht ausreichend dazu Deals zu machen — deshalb endet das Spiel am Schluss nicht durch einen brillanten Schachzug, bei dem du deinen Freunde abgezockt hast, als diese versuchten ihre letzten alles entscheidenden Aufträge zu erledigen, sondern in einer sinnlosen Ballerei.

Bosse_800breitProblem 1: Die Aufträge

Das zentrale Element von La Cosa Nostra sind die Aufträge. Doch viele von ihnen haben gar keine Voraussetzungen. Deshalb bist du in vielen Fällen gar nicht auf deine Gegner angewiesen, um sie zu erfüllen — obwohl dies als eine der zentralen Mechaniken im Handbuch dargestellt wird. Selbst wenn du nicht ohne Hilfe auskommst, hat dein Gegner vermutlich genug Aufträge, die er auch ohne deine Hilfe erfüllen kann. Logischerweise lässt dieser sich dann nicht auf einen Deal ein, weil du der zentrale Nutznießer sein könntest.

Dies ist vor allem dahingehend problematisch, da Aufträge die Angriffe sind, auf anderen Seite nie Unternehmen oder Geschäftsmänner als Voraussetzung haben. Sie können immer ohne die Hilfe anderer Spieler durchgeführt werden. Somit wird dem Spiel ein zentrales Element genommen, das zusätzliche Spannung aufbauen könnte.

la cosa nostraBeispielsweise könntest du so deinem Gegner bluffen: “Hey, stell mir doch deine Abfallfirma zur Verfügung. Ich würde gerne den Auftrag Preisabsprache durchführen.” Da du ihm die Karte nicht zeigen darfst, könnte es aber genauso gut der Auftrag Geschäftsmann umlegen sein, mit dem du ihm diese Runde schaden willst. So muss er es sich gut überlegen, ob er dieses Risiko eingehen will. Er ist aber vielleicht sogar auf diesen Deal angewiesen, da er selbst einen Auftrag erledigen will, bei dem er deine Hilfe braucht, da ihm niemand sonst helfen will oder kann.

Doch dieses Szenario wird nicht eintreten, denn die Karte Geschäftsmann umlegen hat keine Bedingungen. So wie alle anderen Angriffskarten auch. Die Folge davon ist, dass die meisten Spieler einfach aneinander vorbei spielen und nur ab und zu miteinander Deals machen — was eigentlich zentrales Element des Spiels sein sollte.

gangster_rot_800breitProblem 2: nicht-bindende Deals

Das einzige Versprechen im Spiel, das bindend ist, ist das Versprechen, dass ein anderer Spieler dein Unternehmen oder deinen Geschäftsmann benutzen darf. (Dies wird dann durch farbige Plättchen repräsentiert.) Somit ist der einzige zuverlässige Deal den du machen kannst, der Tausch dieser Versprechen. Oder der Handel dieser Versprechen gegen Geld.

Dies wäre aber ein vollkommen ausreichender Handlungsspielraum, wenn man auf diese Versprechen jetzt oder zukünftig stark angewiesen wäre. Da dies aber wie oben beschrieben nicht der Fall ist, erschwert es das Deals machen.

Wenige Spieler wollen sich auf das Versprechen, einen Anteil vom Gewinn eines Auftrags zu erhalten, verlassen. Da dieses oder ähnliche Versprechen gebrochen werden können, gibt es selten Grund sich auf sie einzulassen.

Problem 3: Die Ballerei am Ende

Im Laufe des Spiels nimmt die Zahl der Aufträge zu, die Angriffe sind. Dies mag einerseits thematisch sinnvoll sein, nimmt aber so überhand, dass in Runde drei oder vier die wenigsten Spieler überhaupt noch dazu fähig sind Aufträge zu erfüllen durch die sie Geld erhalten. Da Angriffe, wie oben erwähnt, keine Bedingungen haben, nimmt die Verhandlungs-Interaktion der Spiel zusätzlich ab.

Am Ende ist es dann völlig irrelevant geworden eigene Aufträge zu erfüllen, sondern nur noch wichtig, die Karten der Gegner durch Würfelglück auszuschalten.

lacosanostra_businessProblem 4: Spieldauer

Bereits nach vier Runden ist das Spiel vorbei. Vorteil davon ist natürlich, dass das Spiel dadurch leichter zugänglich wird. Nachteil ist aber, dass es so meist wenig Möglichkeiten gibt länger voraus zu planen. Den kurz nachdem du eine bestimmte Taktik eingeschlagen hast, ist das Spiel bereits vorbei. Die Vorteile deiner Strategie kannst du dann überhaupt nicht mehr ausnutzen.

Möglichkeiten sind etwa im Spiel: viele Gangster kaufen, um mehr Aktionen zu erhalten; viele verschiedene Unternehmen oder Geschäftsmänner kaufen, um möglichst viele Aufträge zu bedienen; oder viele von einem bestimmten Geschäftsmann zu kaufen, um das entsprechende Monopol zu erlangen, was weitere Vorteile bringt.

Die Zeit und Fülle der Aktionen reicht aber bei Weitem nicht dafür aus, um diese Art des Fokus zu erlauben. Doch selbst wenn eine kurze Version für Einsteiger gut ist, sollte es eine längere Variante des Spiels geben, die bis Runde 8 oder vielleicht sogar bis Runde 10 geht. Dies würde dem Spiel ungemein an Tiefe geben, ohne dabei Einsteiger zu überfordern. Da sie weiterhin die 4-Runden-Version spielen könnten.

Es wären auch keine weiteren Kartenstapel nötig. Sie könnten nach bestimmten Regeln aus den ursprünglichen vier Stapeln gebildet werden.

Der Wehrmutstropfen

Spannende Deals aushandeln ist nicht nur das Verkaufsargument der Startnext-Kampagne von La Cosa Nostra, sondern auch dessen interessanter Spielmechanismus. Da es den aber nicht ausreichend erfüllen kann, ist das Spiel aktuell gescheitert — auch wenn es die Startnext-Kampagne nicht ist.

Zumindest ist das bisher so. Noch ist das Spiel, das uns vorlag, ein Prototyp. Ich sehe viel Potential in dem Spiel, das leider nicht genutzt wird. Der dahinter liegende Grundmechanismus ist extrem gut und verspricht jede Menge Spaß. Leider überträgt er sich aktuell noch nicht in die Spiel-Realität.

Jetzt sind die Designer gefragt. Noch haben sie Zeit dieses Problem zu fixen. Meine Vorschläge habe ich hiermit unterbreitet.




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