Das Wort „Yo“ reicht nicht aus, um zu beschreiben, wie behindert diese App ist

Yo-is-for-cavemenSelbst der Homo Erectus kommunizierte mit mehr Stil
Illustration: Amédée Forestier via Wikicommons — Bearbeitung: Dominik Schönleben

Was ist eigentlich los mit der Welt?

Ein Spaßvogel entwickelte die Messaging-App Yo, die in etwa so nützlich ist, wie das Hodor-Keyboard, das, nur so am Rande, 73 Cent kostet. Kurz darauf wird er von einem wilden Rudel Investoren mit einer Million Dollar beworfen. Genau deshalb, weil es immer nur noch um den Hype geht, ist die Welt kaputt.

Früher lebten wir in einer Zeit, in der es um große Ideen und inspirierende Persönlichkeiten ging. Heute geht es nur noch darum, etwas so bahnbrechend Blödes zu entwickeln, dass die Medien darüber berichten. So beginnt der Hype-Zyklus eines Produktes, dem eigentlich so viel Ernsthaftigkeit entgegen gebracht werden sollte, wie den Nachrichtenmeldungen des Postillions.

Früher wurden Entwickler unterstützt, die eine bahnbrechende Idee hatten – die ein Produkt entwickeln wollten das Potential versprach. Doch heute ist das Einzige das zählt, der Hype. Wenn du es schaffst für dein Produkt, egal wie schwachsinnig und einfallslos es ist, eine große mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen, umschwirren dich die Investoren wie dösige Motten, die schon das eine oder andere Mal zu nah an eine zu heiße Nachtischlampe geflogen sind.

Die neuste Irrsinnsmeldung dieser Art, ist eine Finanzierung in der Höhe von einer Million für die App Yo. Der Aprilscherz des israelischen Programmierers Or Arbel, den sich durch den Medien-Hype über 1.000.000 Menschen runtergeladen haben, wurde so zum Start-Up geadelt. Etwas das ungefähr jene Tragweite besitzt, als wenn Google die am ersten April gesuchten Pokémon Master wirklich als neue Mitarbeiter eingestellt hätte.

Genauso belämmert wie gekickstarteter Kartoffelsalat

Ein ähnlicher Hype-Abfuck ereignete sich mit dem auf Kickstarter finanzierten Kartoffelsalat. Nach nur kurzer Zeit geriet die Spaß-Kampagne aufgrund einiger prominenter Unterstützer in die Medien. Statt der ambitionierten 10 Dollar, sammelte der Programmierer Zack Brown innerhalb kürzester Zeit über 50.000 Dollar — noch läuft die Kampagne.

Jeder wollte einfach dabei sein. Egal wie schwachsinnig das Ergebnis. Kaum ist der Hype erst losgetreten, will niemand zu denjenigen gehören, die ihn nicht schnell genug erkannt haben. Was genau am Ende mit den 50.000 Dollar passiert, bleibt fragwürdig. Interessiert aber auch niemanden. Denn wenn die Kampagne ausläuft, ist der Hype bereits vorbei und vergessen.

Yo und der Kartoffelsalat sind eine Momentaufnahme unseres verstörten Zeitgeists, der verzweifelt eine Heilversprechung nach der anderen sucht, die jeweils sofort wieder in Vergessenheit gerät. Die schon kurz darauf in die Banalität und schiere Indifferenz verfällt.

Yo fehlt das Potential

Normalerweise gilt natürlich: Limitation breeds creativity. Das ist einer der Gründe, warum die anfängliche durch die SMS technologisch bedingte Limitation auf 140 Zeichen bei Twitter, sich anstatt zu einem Handycap zu einem Pool an kreativen Nachrichten entwickelt hat. Doch die völlige Einschränkung auf eine Ein-Wort-Nachricht, ist kein Feature mehr. Es regt deine Kreativität nicht an, sondern ist eine Persiflage. Sie sollte deshalb auch als solche erkannt und nicht als kreatives Start-Up gefeiert werden.

Selbst der verzweifelte Versuch eines Users, Yo nachträglich einen Sinn zu geben, wird seiner Simplizität nicht gerecht. Der Account RedAlertIsrael warnt mit dem vielschichtigen „Yo“ vor palästinensischen Raketenangriffen in Israel. Doch wo genau sie stattfinden oder wo die Follower Schutz suchen können, bleibt aus. Diese Nuance geht im einheitlichen „Yo“ verloren.

Die Verwendung der App als Katastrophenmeldedienst ist damit genauso zum Scheitern verurteilt, wie jeglicher andere Sinn den die App transportieren soll. Die non-verbalen Nuancen der verbalen Kommunikation gehen trotz Emoticons bei jeder Messaging-App verloren. Die Vorteile der schriftlichen Kommunikation hingegen werden durch die Einschränkung des Nachrichteninhalts völlig ausgeblendet.

Homo Erectus höher entwickelt als Yo

Der Mensch hat nicht umsonst in der frühen Vorzeit angefangen das „Ugg“ vom „Ogg“ zu unterscheiden, um zu warnen aus welcher Richtung das Raubtier kommt. Yo ist also keine kreative Weiterentwicklung der Kommunikation durch Technologie, sondern ein Rückschritt zur grunzenden Urzeit-Boheme.

Selbst als unsere Vorfahren in der Steppe vor 10.000 Jahren den Ackerbau und die Viehzucht erfanden, konnten sie sich bereits zivilisierter und gewählter ausdrücken, als es Nutzer der App Yo je werden können. Aber von denen erwartet auch niemand, dass sie eines Tages die Bibliothek von Alexandria bauen.






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