Gemini Rue — dürstere Zukunft in verpixeltem Grau

Gemini Rue - Screenshot 01Gemini Rue lässt sofort an die gute alte Zeit denken. Denn wenn dieses Spiel eines zu bieten hat, dann den Vintage-Faktor. Jetzt, da ich mitlerweile sogar „The Secret of Monkey Island“ nur noch in der aufpolierten Neuauflage zocke würden, wirkt das Spiel reichlich Antik. Doch du darfst sich von der grafischen Aufmachung des Adventures nicht täuschen lassen. Hinter dem verpixelten Grau von „Gemini Rue“ versteckt sich eine spannende Story.

Azriel Odin, ein ehemaliger Auftragskiller, ist zur anderen Seite gewechselt und nun Ermittler für die Polizei. Doch als Gesetzeshüter hat man wenig zu sagen in der verregneten, finsteren Zukunft des Jahres 2229. In diesem Sektor des Universums hat die Verbrecherorganisation “Boryokudan“ das Sagen. Azriel ist eigentlich nur auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder. Doch der klassischen Dramaturgie von Detektiv-Stories folgend, verwickelt er sich dabei in die Machenschaften des Syndikats.
Parallel dazu steuerst du Delta-6. Inhaftiert in einer Forschungsanlage zur Verhaltensänderung, versucht dieser aus den Klauen der Wissenschaftler zu entkommen. Hier soll er für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit neuen Erinnerungen re-programmiert werden. Die Erinnerungen von Delta-6 wurden bereits gelöscht und er kann sich nicht an sein vorheriges Leben erinnern. Delta-6 ist auf der Suche nach seiner wahren Identität. „Gemini Rue“ stellt dabei die Frage: Bleibt etwas von deiner Identität übrig, wenn du deine Erinnerungen verlierst oder bist du nur eine Ansammlung von Erfahrungen?

Gemini Rue - Screenshot 03Die Bedienung in „Gemini Rue“ ist klassisch. Azriel bzw. Delta-6 werden per Maus und mit dem klassischen Adventure Interface gesteuert. Die mittlerweile eigentlich serienmäßige Funktion zum Hervorheben der Spielobjekte fehlt. Das verunsichert und zwingt mich zum Absuchen jedes Pixels, wenn ich nicht weiter weiß. Minispiele können nicht übersprungen werden. Wenn das nicht an alte Zeiten erinnert. Nicht unbedingt im positiven Sinne. Das trifft auch auf die Rätsel zu, die weit davon entfernt sind dem Weichspühltrend moderner Adventures zu folgen, der dir immer mehr das Denken abnimmt. Ab und zu wartet sogar ein roter Hering auf dich.

Die im Spiel vorkommenden Schusswechsel müssen vom Spieler selbst ausgefochten werden, etwas, das es seit den Faustkampf-Duellen aus „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ nicht mehr gab. Selbst wenn das mit dem „Independent Games Award“ ausgezeichneten Indie-Spiel vielleicht bei Grafik und Gameplay altertümlich daherkommt, ist es hervorragend vertont. Das ist auch wichtig, denn vor allem die ernsten Dialoge sind es, die in „Gemini Rue“ die packende Story vermitteln. Gut ist auch, dass du das Spiel jederzeit auf den englischen Originalton umstellen kann.

„Gemini Rue“ hält den aufgebauten Spannungsbogen bis zum Ende und überrascht selbst dort noch mit einer unerwarteten Wendung. Am Ende bleibt man nachdenklich und mit einem bitteren Nachgeschmack zurück. Auch wenn dir „Gemini Rue“ zu klobig und unzeitgemäß daherkommen mag, lass dich nicht davon täuschen. Es mag an Zeiten erinnert, als wir noch mit unserem 386er gezockt haben, doch auf den schrecklichen On-board Sound von damals muss man, auch wenn es schmerzt, verzichten.

Adobe Photoshop PDF

You may also like...