Mein Leben mit einem Nerd (7): All you need is Damage Points

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Foto: Lisa Roderer

Der Tag der Liebenden. Frauen auf der ganzen Welt werden heute von roten Rosensträuchern überhäuft. Manch eine wird vielleicht sogar einen mit Füllhalter komponierten Liebesbrief im Briefkasten vorfinden. Andere geben sich heute das langersehnte Ja-Wort. Doch ich schaue mit meinem Nerd: Die Alien-Saga.

Liebe Gamer Girlfriends, ihr, die ihr mein Schicksal immer so anrührend mit mir teilt. Euch will ich heute wieder einmal die Schattenseiten meines First-Lady-Daseins in Nerdcountry nahebringen. Mich ausweinen und die unerträglichen Leiden der jungen Autorin niederschreiben. Kommen diese doch immer besonders am Tag der Liebenden zum Tragen. Heute ist Valentinstag. Mein Freund ist ein Nerd. Muss ich dazu noch mehr sagen?

Ja, ich muss. Erst kürzlich hatte mein Nerd für den 14. Februar eine Reise nach Paris angekündigt. Die Finger in der Luft, Traumschlösser aus Luft und Liebe ausmalend, die in mir ein Feuerwerk der Liebe entfachten, stand er vor mir. Er erklärte, warum eine Reise in gerade diese Stadt an Romantik kaum noch zu überbieten sei.

Ich selbst war schon einige Male in Paris gewesen und konnte kaum fassen, dass mein Nerd diesen Sinneswandel durchmachte. Er betete eine Agenda an Liebesschwüren herunter, um mir anzubieten, dort eine romantische Liebesnacht zu verbringen.

Mein Weltbild war umgehend zerstört, ich schwor mir innerlich nie wieder eine Nerd-Kolumne zu schreiben. Ja, ich hatte mich wohl einfach nur in ihm getäuscht. Wäre da nicht dieser eine Satz gefallen, der mich stutzig machte:

„Übrigens ist an dem Wochenende zuuuuuufällig auch noch dieses eine Magic Turnier in Paris“, so nuschelte er kaum verständlich.

Aber ich hatte ihn erhört. Ich war reingelegt worden. Mein sonst so sauber funktionierender Nerd-Filter war außer Kraft getreten und hatte sich, geblendet von Samtbettwäsche und trockenen Croissants, kurzzeitig verabschiedet. Nun sah ich vor meinem geistigen Auge nur noch schwarze Klappstühle, unzählige, mit Karten bestückte Tapeziertische, und der Geruch von chemischen Kaugummis stieg mir in die Nase.

Dabei war mir nach mehr als vier Jahren mit meinem Nerd doch schon lange klar geworden, dass Romantik höchstens ein Accessoire sein kann, in einer Beziehung voller Spielkonsolen, Energy Drinks und endlos langen Kabeln, für die ich bis heute in der Wohnung keine Verwendung finde.

Und doch falle ich immer wieder auf ihn rein. Hoffe, dass sich irgendwann ein Fünkchen seiner inneren, tiefen Liebe auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten einer ganzen Generation übertragen lässt. Zum Beispiel mit einem romantischen Wochenende in Paris, oder einem Kerzenschein-Dinner in einem mittelklassigen Restaurant. Ihr lest: Ich bin sogar wieder offen für jegliche Art von Kitsch!

Aber auch heute, an jenem Tag, an dem der heilige Valentin vor Jahrtausenden Paare mit wohlduftenden Blumen aus seinem Garten beschenkte, werde ich einen weiteren Abend auf der Matratze im Wohnzimmer verbringen. Ich werde im Arm meines Nerds zum vierhundertachtundzwanzigsten Male bei der Alien Saga vor dem Fernseher einschlafen. Während er aufgeregt die Dialoge mitspricht und sich haufenweise Choco Crossies reinstopft, um mich immer wieder wachzurütteln und dabei: „Guck mal, guck mal, jetzt kommt die Szene!“, zu rufen.

So denn, meine Gamer-Girlfriends: Alles Liebe zum Valentinstag.

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Laura Nunziante

Laura Nunziante

Immer, wenn ein Laie behauptet, er schreibe ein Buch, dann stirbt irgendwo ein mittelloser Autor. Noch ist die freie Autorin aber voller Zuversicht, dass ihr etwas Lebenszeit bleibt — Folge Laura auf Twitter unter @ElisaCrockyard

Mehr von Laura Nunziante findest du auf ihrer Website: lauraelisanunziante.de


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