Review: EXIT, die Escape-the-Room-Spiele von KOSMOS

img_1504Mit EXIT bringt KOSMOS rechtzeitig zur Spielemesse in Essen eine neue Spieleserie auf den Markt und folgt damit klar einem neuen Trend: Exit the Room-Games. Von denen gibt es nicht nur im echten Leben immer mehr, sondern auch im Brettspiel-Bereich sind sie gerade im Kommen. Wir haben die Teaserversion von EXIT gespielt und das ist unser Eindruck davon.

Brettspiele, die nur ein einziges Mal spielbar sind, gehören dieses Jahr wohl schon zum Establishment. Während letztes Jahr zur Essener Spielemesse 2015 noch T.I.M.E Stories und Pandemic Legacy Aufsehen erregt haben, scheint sich das Genre dieses Jahr bereits vollkommen etabliert zu haben. Neben EXIT von KOSMOS erscheinen Escape the Room von ThinkFun und ESCAPE ROOM von Noris Spiele — von den Namen kann es da leicht zu Verwechslungen kommen.

Hinweis: Wir haben nur das Teaserspiel gespielt. Alle hier getroffenen Aussagen beziehen sich also nur auf die Demo-Version. Wir gehen aber davon aus, dass die vollwertigen EXIT-Spiele nur geringfügig von diesem Spielerlebnis abweichen.

img_1508Bei EXIT von Inka und Markus Brand handelt es sich um ein kooperatives Spiel für einen bis sechs Spieler. Die Gruppe versucht dabei unter Zeitdruck möglichst schnell Rätsel zu lösen und erlebt dabei eine kleine Geschichte. In der Demo ist die ziemlich dünn, die Spieler sind in ein Theater eingeladen worden, in dem eine mysteriöse Person die Premierenfeier zur Schnitzeljagd macht. Warum das passiert, erfährt man auch nach Lösung des Falles nicht.

Hier zeigt sich der Fokus der EXIT-Reihe. Anstatt die Story — wie etwa bei T.I.M.E Stories — stehen die Rätsel im Zentrum des Erlebnisses. Dabei geht es jedes Mal darum, einen Code zu ermitteln, der auf einer Drehscheibe eingestellt werden muss. Die zeigt dann eine Nummer, nämlich die der Karte, die aus dem Lösungs-Deck gezogen werden soll. Auf der Rückseite erfahren die Spieler dann, ob sie richtig liegen und wie es weiter geht.

Nach und nach dürfen die Spieler so mehr Karten aus dem eigentlichen Spieldeck aufdecken. Dabei entdecken sie neue Räume oder Gegenstände, die sie zum Lösen der Rätsel benötigen. Zum Teil sind diese zusätzlichen Hilfsmittel auch physische Objekte, wie etwa ein unförmiges Stück Karton, das man zum Decodieren einer Nachricht braucht.img_1505

Da die Story ziemlich seicht ist, gibt es für die Spieler nichts anderes als die Rätsel, um mit der Welt von EXIT zu interagieren. Das ist schade, denn vor allem je mehr Spieler an dem Erlebnis beteiligt sind, desto weniger gibt es für die einzelnen Teilnehmer zu tun. Mehr als zwei oder vielleicht sogar drei Leute können eben nicht gleichzeitig mit ein paar Karten arbeiten, die in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Sechs Spieler ist also definitiv Overkill für das Format. Vor allem weil die Story so seicht ist, heißen viele Mitspieler, dass sich irgendwer am Tisch immer langweilen wird.

Das zweite Problem sind — zumindest für Erwachsene — die Rätsel selbst. Denn die sind so einfach, dass sich bei unserem Testspiel nach ihrer Lösung kein Gefühl des Erfolgs einstellte: Einmal sind Buchstaben in einem Text hervorgehoben, die eine Nachricht formulieren, ein anderes Mal müssen Kleidungsstücke den Besuchern des Theaters zugeordnet werden. So erinnert das Spiel eher an eine Rätselheft für Kinder, anstatt an seine weitaus komplexeren Vorbilder, die realen Escape-the-Room-Spiele.

EXIT ist also nichts für eine Gruppe Erwachsene, die wirklich knobeln will. Es ist vermutlich mehr etwas, das Eltern mit ihren Kindern spielen oder Kinder sogar unter sich.

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