Einfach mal mit Uwe Boll die Arschlöcher an der Wallstreet wegballern

Am 27. September kam Uwe Bolls neuer Film endlich nach Deutschland. Assault on Wallstreet wurde dabei leider nur ein DVD und Blue-Ray-Release gegönnt.

Es geht um die Rache des kleinen Mannes am teuflischen Finanzsystem. Er ist Uwe Bolls Antwort auf eine Welt, die seiner Meinung nach dafür reif ist, dass beim nächsten Amoklauf, endlich mal all die Arschlöcher an der Wallstreet weggeballert werden. Weil er Dinge gerne auf den Punkt bringt, wird Uwe Boll regelmäßig in der Presse als der schlechteste Regisseur aller Zeiten beschimpft. Das ist natürlich eine der erbärmlichsten Lügen der Gegenwart. Zwar war er bereits unzählige Male für die Goldene Himbeere nominiert und erhielt auch den seit 1987 nicht mehr verliehen Sonderpreis für ein verkorkstes Lebenswerk. Aber wenn du mal ehrlich bist, schaust du dir ja auch keine französischen Art-Haus-Filme an, weil sie einen hochgelobten Kritikerpreis gewonnen haben. Das Uwe Boll fatale Fehler in der Vergangenheit gemacht hat, gibt er zu: Skript scheiße, Darsteller fehl besetzt, Geld vernichtet. Seit ein paar Jahren hat er sich aber vor genommen gute Filme zu drehen. Aber überzeuge dich einfach selbst davon, anstatt immer nur über Alone in the Dark zu lästern—und wenn auch nur deshalb, weil es unglaublich befriedigend ist, zu sehen, wie ein paar Wallstreet-Bänkstern das Gehirn raus gepustet wird. Das ist der einzige Trost der uns bleibt, wie Uwe Boll in seiner Analyse über die Finanzkrise treffend formuliert: “Da haben die Banken und Versicherungen den Steuerzahler und die Regierung erpresst und komplett verarscht.” Auswege gab es für die Betroffenen keine. Denn solltest du mal die Tricks der Banker anwenden, um sie selbst hinters Licht zu führen, ist das einzige was auf dich wartet acht Jahre Knast. Während die Banker spätestens 12 Monate nach dem Crash wider angemessene Milliardenboni ausgezahlt bekommen. Uwe Boll 1 -Portraitwyme: Was war denn dein schlechtester Film, aus dem du am meisten gelernt hast?

Uwe Boll: Sicherlich aus Alone in the Dark. Da war einfach alles verkorkst. Als mein erster Teil raus kam, gab es überhaupt keine Beziehung zum Game. Außer dem Charakternamen Edward Carnby. Da sind die Fans ausgeflippt. Das war ein Kommunikationsproblem zwischen mir und Atari. Gleichzeitig waren da zwei Skript-Writer dran, was einfach nicht funktioniert hat. Dann das Casting von Tara Reid, die einfach total verkehrt für die Rolle war und sicher dem Film geschadet hat. Auch wenn die Monster und Actionszenen gut aussehen, war dieser Film meine größte Fehlleistung. Man konnte auch das Resultat sehen: Alone in the Dark hat viel Geld verloren.

Assault on Wallstreet (3)Dein Humor ist ziemlich krude und ungewöhnlich. Kann es einfach sein, das viele Menschen deine Filme einfach nicht verstehen?

Ich habe sicherlich einen sehr dreckigen, schwarzen und bitteren Humor. Was man ja in Postal sehen konnte. Da hat man eben den Bezug zur Masse nicht. Radikalität ist einfach meine Stärke als Filmemacher und Regisseur, wie man auch in Dafur und Siegburg sehen kann. Ich kann bestimmte Dinge radikaler zeigen, als es die meisten anderen machen. Es gibt nicht einen Tag, an dem ich nicht eine E-Mail von irgendwo aus der Welt kriege, in der es um Postal geht: “Der war geil.” oder “Wo kriege ich denn die unrated Version.” Das ist ein gutes Gefühl als Filmemacher. Irgendwo, finden doch irgendwelche Leute, irgendeinen Film von mir auch ganz gut.

Assault on Wallstreet (6)Warum hast du überhaupt einen Film über die Finanzkrise gedreht?

Wenn man Filme wie Margin Call, Arbitrage, Wall Street 2 oder Too Big to Fail sieht, dann schildern diese ganzen Filme die Finanzkrise immer aus der Sicht der Banker und Broker. Da hat man plötzlich Mitleid mit irgendwelchen Bankern. Das ist total absurd. Ich wollte einfach einen Film für die erzählen, die wirklich alles verloren haben in der Finanzkrise. Sieben Millionen Amerikaner haben ihre Häuser verloren. 5.000 Leute haben daraufhin Selbstmord begangen. Wo war eigentlich der Film für die? Ich wollte einen Film wie Falling Down machen. Wo wirklich jemand den Bach runter geht und anfängt die Broker umzulegen. Rache übt. Nehmen wir mal an, man verliert wirklich sein Haus, seine Frau, seine Familie, seinen Job und ist erledigt–das war’s. Man sitzt auf dem Bürgersteig und dann sieht man die Banker, die nach einem Jahr wegen staatlicher Gelder wieder am Leben sind, ihre Bonuszahlungen kassieren und die fahren mit ihrem Ferrari vor einem rum. Genau so habe ich das inszeniert: Dem Broker geht es auch schlecht, als es dann den Bach runter geht. Aber ein Jahr später, da ist der Broker wieder oben auf. Bailout ist der Rachefilm des kleinen Mannes. Was da passiert ist ein Fallbeispiel, wie es auch passiert ist. Aber in Wirklichkeit sind die ganzen Leute alle nur depressiv geworden oder haben sich umgebracht. Das ist ja das absurde. Man hat andauernd irgendwelche Amokläufer in Amerika, wegen nix. Einer dreht durch und schießt dreißig Leute ab. Aber beim Broker-Bailout, wo man wirklich Ziele hätte, ist überhaupt niemandem etwas passiert. Das wäre ja eigentlich mal wünschenswert. Nicht Kinder in der Grundschule zu erschießen, sondern mal an der Wallstreet die ganzen Arschlöcher weg zu ballern. Dann würde vielleicht die Arbeitsethik wieder nach oben gehen. (lacht)

Assault on Wallstreet (12)Was war der Ursprung der Finanzkrise?

Es ging ja eigentlich um gezielten Betrug. Das Banker Bonuszahlungen kassiert haben, auf nicht existierenden Gewinnen. Über 8.000 Broker in New York haben zehn Millionen pro Jahr und mehr verdient. Das sind Leute die würden normalerweise 7.000 Euro bei der Sparkasse verdienen. Ich hätte mich nie aufgeregt, wenn die Regierung alle Banken hätte pleite gehen lassen. Aber die Verluste wurden am Ende von uns allen abgedeckt. Also auch von den Leuten, die überhaupt nicht gegambelt haben. Da wurden einfach alle Markt-Gesetze außer Kraft gesetzt. Wir wurden über die Klinge geschickt. Mathematisch gesehen sind wir ja pleite. Es ist ja nicht nur Griechenland pleite, wir sind in Wirklichkeit ja auch pleite. Die Schulden kann kein Mensch mehr zurück zahlen. Wir waren schon vorher überschuldet. Das ist in jedem Staat so. Auch in Amerika. Wir leben alle nur vom Geld drucken. Jedes Jahr wird mehr Geld gedruckt und damit wird etwas künstlich am Leben gehalten, das schon längst Tod ist–nämlich unser Lebensstandard.

Assault on Wallstreet (10)Und was sollen wir dagegen tun?

Wir müssen wieder auf einen anderen Lebensstandard kommen. Es geht einfach nicht, dass jedes fünfjährige Kind mit einem scheiß iPhone rum läuft. Wir geben einfach alle Geld für Dinge aus, die keiner verdient. Das ist alles auf Pump. Das ist in Amerika ja noch schlimmer, die kaufen alles auf Kreditkarte. Haben dann 50.000 auf Kreditkarte im Minus und wundern sich dann, dass sie in ihrem ganzen Leben auf keinen grünen Zweig kommen. Das ist der einzige Grund warum die Gesellschaft überhaupt noch funktioniert. Die Gesellschaft wird zum kaufen von allem möglichen Scheiß angeregt. Non Stop. Andernfalls bricht die ganze Wirtschaft zusammen. Das ist aber der falsche Weg, der ist nicht finanzierbar.

Assault on Wallstreet (4)Was machen wir jetzt also am besten mit Griechenland?

Man hätte den Griechen einfach von Anfang an kein Geld geben dürfen. Gar nix. Das ist doch denen ihr Problem. Die Leute zahlen keine Steuern dort und fahren da mit ihren Lamborghini rum. Und dann sagt Griechenland urplötzlich: “Uje, wir sind pleite!” Und was macht dann die EU? Wir geben denen das Geld, damit sie ihre eigenen Schulden zurück zahlen können. Staatsbankrott, wäre doch das einzig sinnvolle gewesen. Das man sofort vor drei Jahren gesagt hätte: Da müsst ihr Konkurs anmelden und zur Drachme zurück gehen. Die wird dann wieder eine riesen Inflation haben. Aber ihr macht dann mehr Geld, indem ihr euer Öl und eure Urlaubsreisen wieder besser verkauft.Assault on Wallstreet (1)

Deutschland hat wegen der Krise keinen guten Ruf mehr in Griechenland.

Die glauben einfach, sie hätten ein Recht darauf ihren Lebensstandard aufrecht zu erhalten, egal wer es bezahlt. Und das ist totaler Schwachsinn. Das ist genau das, was die Banken an der Wallstreet gemacht haben: “Ja wenn wir Pleite gehen, dann geht gar nichts mehr.” Das war komplette Einschüchterung. Dann hat die Regierung natürlich gesagt: “Oh, dann müssen wir denen das Geld natürlich geben. Wir können uns ja nicht erlauben, dass der EC-Automat an der Deutschen Bank nicht mehr funktioniert.” Die sind also voll auf den Bluff reingefallen. Dadurch haben die Banken 1:1 weiter gemacht wie vorher. Da haben die Banken und Versicherungen den Steuerzahler und die Regierung erpresst und komplett verarscht.Assault on Wallstreet (8)Hätte die Regierung überhaupt eine Wahl gehabt?

Wenn jemand in der Privatwirtschaft in solch einer Situation wäre, könnte man doch als Kreditgeber jede Bedingung diktieren. Das haben sie aber nicht gemacht. Das ist das eigentliche Versagen der Politik. Wenn bei mir um 12 Uhr nachts jemand vor der Tür steht und sagt: “Wenn morgen früh die Börse auf macht, dann geht die Welt unter, außer ihr gebt mir jetzt 200 Milliarden”, selbst wenn man denen die 200 Milliarden gibt, dann muss man die doch komplett enteignen. Dann muss man denen doch sagen: Wenn wir euch jetzt die 200 Milliarden geben, dann unterschreibt mal hier, dass ihr nichts mehr zu sagen habt. Und du arbeitest jetzt mal komplett umsonst, bis zum Lebensende. Und das gilt für alle Topmanager. Weil ihr habt alle so viel Kohle verdient, ihr braucht kein Geld mehr. Und wenn ihr nicht mitmacht, dann kommt ihr alle in den Knast für die Scheiße. Nichts wurde limitiert. Es wurde einfach Bedingungslos die Kohle rüber gegeben. Und das war der größte Kriminelle Akt gegen den Steuerzahler den es je gegeben hat.

Uwe Boll 2

links: Dominic Purcell, rechts: Dr. Uwe Boll am Set von Assault on Wallstreet

Und weil man sich sonst schon nicht wehren kann, hast du einen Film darüber gemacht?

Genau, deshalb hoffe ich auch, dass sich in Deutschland viele Leute den Film angucken. Der Film ist wirklich wichtig. Wir kriegen pausenlos die Hobbits aus Amerika rüber geschossen oder irgendwelche Art-Haus-Filme bei denen uns eingeredet wird, sie wären über wichtige Themen. Aber das sind sie nicht. Es gibt nichts Wichtigeres als die Finanzkrise für unsere Zukunft. Es ist das wichtigste Thema der Welt. Wenn man sich damit nicht auseinander setzt, wird man doof sterben. Und mein Film zeigt, wie wenig für die eigentlichen Opfer getan wurde.